„Manche freilich müssen drunten sterben, wo die schweren Ruder der Schiffe streifen“, diese Zeilen aus einem Gedicht von Hofmannsthal fallen mir ein, wenn ich an Rex Gildo denke. Obgleich der Schlagerstar eine der beständigsten Karrieren im deutschen Show-Business hatte, prägen sein Bild bis heute die traurigen Umstände seines Todes. Das fröhliche Image, das der stets jugendlich wirkende Tänzer und Sänger nach außen repräsentierte, kontrastiert mit einer – von vielen vermuteten –verborgen gelebten Homosexualität. Gildo wird auch heute immer noch als Beispiel angeführt, wenn der Abstieg einst erfolgreicher Schlagerstars zu belegen ist. Hier handelt es sich vermutlich um ein Klischee, denn der Sänger ließ sich seine Auftritte bis zuletzt stets gut entlohnen, auch wenn er mit seinen Titeln nicht mehr das jugendliche Publikum ansprach, das sich längst neue Idole gesucht hatte. Die Bravo, deren Titelbild er in den 1960er Jahren regelmäßig geziert hatte, interessierte sich schon lange nicht mehr für ihn.
Flüchtige Karriere
Gildos Beliebtheit scheint uns heute nahezu unwirklich: Während sich um den ebenfalls früh und unglücklich verstorbenen Roy Black ein Fankult hielt, wird Rex Gildo diese Verehrung über den Tod hinaus nahezu überhaupt nicht zuteil. Der Sänger, der über 25 Millionen Schallplatten verkaufte und 1971 angeblich Lieblingsstar von 289 Fanclubs war, scheint nahezu vergessen zu sein. Das mag daran liegen, daß Roy Black mit Hilfe des Fernsehens ein fulminantes Comeback geschafft hatte, auf das bei Rex Gildo so nicht mehr zu hoffen war. „Er kam, sang und ging wieder“, eine Überschrift im „Spiegel“ drückte bereits kurz nach seinem Tod das Flüchtige in der Karriere von Rex Gildo aus.
Partylöwe und Traumprinz
Dennoch, Rex Gildo bereicherte den deutschen Schlager in den über vierzig Jahren, die er auf Bühnen stand, um einige nachhaltige Eindrücke. Mit Conny Froboess bildete er Ende der 1950er Jahre für kurze Zeit ein Traumpaar des deutschen Schlagers. Gemeinsam mit Gitte (Haenning) sang er Titel wie „Vom Stadtpark die Laternen“. Wenn er fragte „Hast du Angst vor der Liebe“, konnte es dem jugendlich unverdorbenen Betrachter angesichts des wohl erotischsten Covers der Schlagergeschichte bange werden. Die deutsche Version des Pat-Boone-Songs „Speedy Gonzales“ brachte Gildo 1962 zum ersten und einzigen Mal an die Spitze der Single-Charts. Seinen bis heute bekanntesten Hit hatte er jedoch fraglos mit dem Jahrhundertschlager „Fiesta Mexicana“, den ihm Michael Holm und Ralph Siegel auf den Leib schneiderten. Das Image des südländisch wirkenden Partylöwen wurde der Sänger danach nie wieder los. Vielleicht belastete die „Fiesta Mexicana“ den sensiblen Sänger auf Dauer tatsächlich mehr, als ihm die Freude an den Einnahmen, die ihm auch das Schlager-Revival der 1990er Jahre erneut eintrug, das Leben versüßte. Vor zehn Jahren, am 26. Oktober 1999, starb Rex Gildo an den Folgen eines Unfalls: Wenige Tage zuvor war er aus dem Fenster seines Badezimmers gestürzt. Auch wenn es vielleicht kein Selbstmord war: Mit Tabletten und Alkohol beendete der „ewige Traumprinz“, wie ihn „Die Woche“ nannte, sein Leben auf Raten.
Ingo Grabowsky
Foto: Hans J. Hoffmann