Dortmund olé im Westfalenpark

Dezember 21, 2011

Großes ist zu verkünden. Am 30. Juni wird es ein großes internationales Festival im Westfalenpark geben mit dem Ziel, die Schaffung des Europäischen Schlagermuseums in Dortmund zu unterstützen. Das Fest wird „Dortmund olé“ heißen (der europäische Aspekt wird also schon im Titel betont) und Dortmund damit ein Wallfahrtsort der internationalen Schlagerszene. Unter www.dortmund-ole.de könnt ihr euch das bisher organisierte Programm schon einmal ansehen. Veranstalter ist die Pro-Event, die in diesem Jahr unter anderem auch „Schlager total“ in der Westfalenhalle aufgezogen hat. „Dortmund olé“ ist damit der würdige Nachfolger der erfolgreichen Konzertreihe.

Schlagerfestival fürs Schlagermuseum?

Oktober 22, 2011

Die Information ist zwar etwas aufgebauscht, aber im Prinzip handelt es sich um eine gute Idee:

 

Schlager bei Eldoradio

Juni 5, 2011

Liebe Schlagerfreundinnen und Schlagerfreunde, heute abend ab 20 Uhr Eldoradio hören (in Dortmund über UKW 93,0, von überall über www.eldoradio.de)! Der frisch erkorene Schlagerpapst (Bild-Zeitung vom 14. April 2011) beehrt den Dortmunder Uni-Rundfunk. Ingo Grabowsky und Martin Lücke berichten ihrem Gastgeber Christian Beisenherz viel Wissenswertes rund um die Ausstellung „Schlager! Eine musikalische Zeitreise von A bis Z“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund. Außerdem gibt es natürlich Schlager satt auf die Ohren. Bekannte Evergreens und verborgene Perlen deutschen Liedguts schlummern jetzt noch auf Vinyl, heute abend erwachen sie zu neuem Leben! Wer sich schon einstimmen will, besucht heute einfach die phantastische Schau an der Hansastraße: Die Uhr aus der ZDF-Hitparade, die Bolerojäckchen der Flippers, die Gitarre von Peter Kraus und viele andere Pretiosen warten auf Euch.

Rezension im „Musikmarkt“

April 1, 2011

Der „Musikmarkt“ zeigt sich in einer Rezension einmal mehr als kompetentes Fachorgan:

„Neben der Analyse überzeugt das Buch mit Bildern en masse, seien es originale Schallplattencover, Plakate, alte Fotos oder Autogrammkarten. Überdies haben sich zahlreiche Künstler und Persönlichkeiten aus der Branche Gedanken gemacht und ein paar Zeilen zu ihrem persönlichen „Jahrhundertschlager“ geschrieben. In der Heimbibliothek von wahren Schlager-Liebhabern sollte dieser Titel also auf keinen Fall fehlen.“ (Lothar Gerber: Schlager, nichts als Schlager, in: Musikmarkt 10, 2011, S. 2)

Schöner hätten wir es nicht schreiben können!

„Schlager!“ in der WAZ

Januar 21, 2011

Eine wunderbare Rezension auf unser Buch „Schlager! Eine musikalische Zeitreise von A bis Z“ bringt heute die WAZ: „Wer sein Schlagerwissen auffrischen und vertiefen will, kann es hier so gut wie selten zuvor.“ Ein kleiner Hinweis fehlt allerdings: Vom 13. Mai 2011 wird die gleichnamige Ausstellung in einer stark erweiterten Fassung auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund zu sehen sein.

Endlich: Der Katalog zur Ausstellung!

Dezember 9, 2010

In der Erinnerung der Deutschen spielen Schlager eine bedeutende Rolle. Lieder wie „La Paloma“, „Über sieben Brücken musst du geh‘n“ oder „Ich war noch niemals in New York“ haben sich tief in das kollektive Bewusstsein der Deutschen eingegraben. Schallplatten und CDs von Interpreten wie Hans Albers, Peter Alexander, Conny Froboess, Udo Lindenberg oder Caterina Valente sind millionenfach verbreitet. Millionen Menschen lieben den Schlager – Millionen Menschen reiben sich aber auch an ihm. Zur Allgemeinbildung gehört er mittlerweile allemal. Ernste Themen wechseln sich in dem Begleitbuch zur Ausstellung „Schlager! Eine musikalische Zeitreise A – Z“ mit heiteren ab. So erfährt der Leser ebenso etwas über die Verfolgung jüdischer Schlagerkomponisten und die Rolle der leichten Muse im „Dritten Reich“ wie über die wundersamen Darstellungen Italiens, des Orients oder des alten Russland in den Schlagern der Wirtschaftswunderjahre. Prominente Künstler wie Götz Alsmann, DJ Ötzi oder Nicole sind mit ihrem persönlichen „Jahrhundertschlager“ vertreten. Das reich bebilderte Buch zeigt Schallplattencover, Plakate, Autogrammkarten und eine Vielzahl von Staraufnahmen, die erstmals in Buchform veröffentlicht werden.

Die Autoren:

In den 80er Jahren wühlte Ingo Grabowsky gemeinsam mit Freunden in der Musiksammlung seiner Eltern. Er fand alte Scheiben, die auf heißen Partys offenkundig zigmal abgespielt worden waren. Das Lied vom Massenmörder Haarmann zum Beispiel, Bill Ramseys „Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe“ oder Gilbert Bécauds „Nathalie“. Eine Kassette aber fesselte seine Aufmerksamkeit besonders. Eine Polystar-Produktion aus dem Nachlaß von Tante Hertha: „Noch einmal mit Gefühl. 20 Melodien voller Zärtlichkeit“, gesungen von Rudi Schuricke. Süße Grüße aus einer unschuldig scheinenden Zeit. Irgendwann begann sich Grabowsky für die Geschichten hinter den Liedern zu interessieren, die Generationen prägten.

Martin Lücke kam während eines schönen Sommeraufenhalts im malerischen Elbflorenz – Dresden – zum Schlager. Als plötzlich jemand anfing , mehr recht als schlecht den legendären Tony-Holiday-Klassiker „Tanze Samba mit mir“ zu  intonieren, war es geschehen. Tagelang wurden von nun an hemmungslos die besten, schönsten und verrücktesten Schlager gesungen. Viele Jahre später begann er, mit wunderbaren Erinnerungen im Herzen, gemeinsam mit Ingo Grabowsky das schöne  Schlagerbuch zu schreiben.

Professor Schlager und Doktor Schnulze haben aber auch eine professionelle Beziehung zur leichten Muse. Ingo Grabowsky wirkte als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn an etlichen popmusikalischen Ausstellungen mit. „Elvis in Deutschland“, „Keine Panik! Udo Lindenbergs bunte Republik“, „Rock! Jugend und Musik in Deutschland“ und „Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers“, so hießen die publikumsträchtigen Wechselausstellungen, an denen er mitarbeitete. Heute forscht Grabowsky an der Ruhr-Universität Bochum zum sowjetischen Schlager der Nachkriegszeit. Der Musikwissenschaftler Martin Lücke hat seit 2009 eine Professur für Musikmanagement an der privaten Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) inne. Er forscht zu verschiedenen Aspekten der populären Musik. Außerdem gibt er an der Ruhr-Universität Bochum seit Jahren Seminare über den Schlager. Seine Dissertation schrieb er über „Jazz im Totalitarismus“, die Vorbelastung ist also evident.

Buchreihe „Populär/Musik/Kultur.Markt“
Das Buch erscheint in der Schriftenreihe „Populär/Kultur/Musik.Markt“. Die Reihe vereinigt Studien zur populären Kultur und Kunst sowie ihren jeweiligen Märkten. Die einzelnen Publikationen richten sich in Sprache und Gestaltung vor allem an ein interessiertes Publikum.

Ingo Grabowsky und Martin Lücke: Schlager. Eine musikalische Zeitreise von A bis Z
160 x 230 mm, fadengeheftet, 104 Seiten
Edition Spielbein, Erlangen 2010
ISBN 978-3-938903-25-4, 15.00 €
hier online oder im Buchhandel erhältlich

Schlager des Monats: „Ein bisschen Frieden“

September 30, 2010

Herzlichen Glückwunsch, Ralph Siegel. Der Mann, der erstmals für Deutschland den Grand Prix Eurovision (vulgo: Eurovision Song Contest) gewann, feiert am 30. September 2010 seinen 65. Geburtstag. Auch wenn ihm Stefan Raab seit einiger Zeit nacheifert, ist Siegel bis heute sicherlich der erfolgreichste Komponist, der sich vom Grand-Prix-Virus hat infizieren lassen.

Der Weg zum Triumph

Mit der Gruppe „Dschinghis Khan“ und ihrem gleichnamigen Lied erzielte Siegel, der den Grand Prix „wie eine Droge“ empfindet, gemeinsam mit seinem Texter Bernd Meinunger 1979 Platz 4. Für die Gruppe legte er damit den Grundstein für eine, ja, Weltkarriere. In den beiden folgenden Jahren erzielten Siegels Sängerinnen Katja Ebstein („Theater“) und Lena Valaitis („Johnny Blue“) jeweils Platz 2. Und dann der Höhepunkt, unser Schlager des Monats: Nicole mit „Ein bisschen Frieden“. In Harrogate 1982 gewann die Sängerin, die wie ein Engel wirkte, Platz 1 mit einer zurückhaltenden, aber bis ins Detail durchgeplanten Show. Selbst die Anzahl der Punkte auf ihrem Kleid hatte Siegel genau abgezählt. Die Haare wurde so frisiert, dass Nicole, die überdies eine weiße Gitarre spielte, mit ihren siebzehn Jahren als Verkörperung der Unschuld durchging. Das Publikum im Saal, in Europa und nicht zuletzt die Jurys waren begeistert. Mit weitem Abstand gewann Nicole den Wettbewerb und war – zumindest bis 2010 – die unangefochtene Grand-Prix-Königin in Deutschland. Jahrzehntelang eiferte Siegel seinem Erfolg nach. Er holte noch zweite und dritte Plätze mit den Gruppen Wind, Mekado und Sürpriz, seinen Sieg von 1982 konnte er allerdings nicht wiederholen. Daher wird „Ein bisschen Frieden“ für Ralph Siegel wohl immer sein Jahrhundertschlager bleiben.

Ingo Grabowsky

Foto: I.G.

Erinnerung an einen traurigen Clown: Rex Gildo starb vor zehn Jahren

Oktober 24, 2009

S 121 rex gildo„Manche freilich müssen drunten sterben, wo die schweren Ruder der Schiffe streifen“, diese Zeilen aus einem Gedicht von Hofmannsthal fallen mir ein, wenn ich an Rex Gildo denke. Obgleich der Schlagerstar eine der beständigsten Karrieren im deutschen Show-Business hatte, prägen sein Bild bis heute die traurigen Umstände seines Todes. Das fröhliche Image, das der stets jugendlich wirkende Tänzer und Sänger nach außen repräsentierte, kontrastiert mit einer – von vielen vermuteten –verborgen gelebten Homosexualität. Gildo wird auch heute immer noch als Beispiel angeführt, wenn der Abstieg einst erfolgreicher Schlagerstars zu belegen ist. Hier handelt es sich vermutlich um ein Klischee, denn der Sänger ließ sich seine Auftritte bis zuletzt stets gut entlohnen, auch wenn er mit seinen Titeln nicht mehr das jugendliche Publikum ansprach, das sich längst neue Idole gesucht hatte. Die Bravo, deren Titelbild er in den 1960er Jahren regelmäßig geziert hatte, interessierte sich schon lange nicht mehr für ihn.

Flüchtige Karriere

Gildos Beliebtheit scheint uns heute nahezu unwirklich: Während sich um den ebenfalls früh und unglücklich verstorbenen Roy Black ein Fankult hielt, wird Rex Gildo diese Verehrung über den Tod hinaus nahezu überhaupt nicht zuteil. Der Sänger, der über 25 Millionen Schallplatten verkaufte und 1971 angeblich Lieblingsstar von 289 Fanclubs war, scheint nahezu vergessen zu sein. Das mag daran liegen, daß Roy Black mit Hilfe des Fernsehens ein fulminantes Comeback geschafft hatte, auf das bei Rex Gildo so nicht mehr zu hoffen war. „Er kam, sang und ging wieder“, eine Überschrift im „Spiegel“ drückte bereits kurz nach seinem Tod das Flüchtige in der Karriere von Rex Gildo aus.

Partylöwe und Traumprinz

Dennoch, Rex Gildo bereicherte den deutschen Schlager in den über vierzig Jahren, die er auf Bühnen stand, um einige nachhaltige Eindrücke. Mit Conny Froboess bildete er Ende der 1950er Jahre für kurze Zeit ein Traumpaar des deutschen Schlagers. Gemeinsam mit Gitte (Haenning) sang er Titel wie „Vom Stadtpark die Laternen“. Wenn er fragte „Hast du Angst vor der Liebe“, konnte es dem jugendlich unverdorbenen Betrachter angesichts des wohl erotischsten Covers der Schlagergeschichte bange werden. Die deutsche Version des Pat-Boone-Songs „Speedy Gonzales“ brachte Gildo 1962 zum ersten und einzigen Mal an die Spitze der Single-Charts. Seinen bis heute bekanntesten Hit hatte er jedoch fraglos mit dem Jahrhundertschlager „Fiesta Mexicana“, den ihm Michael Holm und Ralph Siegel auf den Leib schneiderten. Das Image des südländisch wirkenden Partylöwen wurde der Sänger danach nie wieder los. Vielleicht belastete die „Fiesta Mexicana“ den sensiblen Sänger auf Dauer tatsächlich mehr, als ihm die Freude an den Einnahmen, die ihm auch das Schlager-Revival der 1990er Jahre erneut eintrug, das Leben versüßte. Vor zehn Jahren, am 26. Oktober 1999, starb Rex Gildo an den Folgen eines Unfalls: Wenige Tage zuvor war er aus dem Fenster seines Badezimmers gestürzt. Auch wenn es vielleicht kein Selbstmord war: Mit Tabletten und Alkohol beendete der „ewige Traumprinz“, wie ihn „Die Woche“ nannte, sein Leben auf Raten.

Ingo Grabowsky

Foto: Hans J. Hoffmann

Geburtstagsblumen für Nana Mouskouri

Oktober 12, 2009

nana mouskouri„Für Nana ist Weiß die Farbe des Glücks. Wenn nicht das Porzellan schon ,weißes Gold’ hieße, müßte man jenes Gold so nennen, das aus Nana Mouskouris Kehle zum Plattenhimmel steigt.“ Kaum pathetisch beschrieb die Jugendzeitschrift Bravo 1962 den glockenhellen Sopran der großen griechischen Sängerin. Innerhalb eines halben Jahres hatte sich die griechisch-deutsche Koproduktion „Weiße Rosen aus Athen“ 1961 anderthalb Millionen Mal verkauft. Die Musik stammte von Manos Hadjidakis, dem künstlerischen Entdecker der Mouskouri. Hans Bradtke, der etliche Evergreens dichtete, zeichnete für den Text verantwortlich. Der Schlager bedeutete Nanas Durchbruch in Deutschland. Zugleich bildete er aber auch den Beginn einer großen Weltkarriere, die bereits ein Jahr später einen weiteren Höhepunkt erlebte: Ein gemeinsam mit Quincy Jones aufgenommenes Album mit amerikanischen Standards gilt heute als wirklicher Klassiker. In Deutschland wurde es vor ein paar Jahren unter dem Titel „Nana Mouskouri in New York“ neu veröffentlicht. Die Art und Weise, wie die junge Nana auf diesem Album Klassiker wie „Love Me Or Leave Me“ oder „No Moon At All“ interpretiert, nimmt sofort gefangen. Völlig verdient gilt Nana Mouskouri heute als zweiterfolgreichste Frau im Musikgeschäft (nach, na ja, Madonna): Ihre Plattenfirma gibt die schier unglaubliche Zahl von über 300 Goldenen, Platin- und Diamantenen Schallplatten an, die sie bis heute weltweit erhalten hat. „Weiße Rosen“ verblühen innerhalb weniger Tage. Nanas Karriere jedoch dauert jetzt glücklicherweise schon nahezu fünf Jahrzehnte an. Zum 75. Geburtstag am 13. Oktober 2009 gratulieren wir von Herzen.

Ingo Grabowsky

Foto: Hans J. Hoffmann

Die Königin der Nichtsänger

Oktober 9, 2009

h knefDas deutsche Chanson, den deutschen Schlager prägen aus irgendeinem unbekannten Grund die Nichtsänger: Wie hieß der Comeback-Star des vergangenen Jahres? Udo Lindenberg. Wen wählten die ZDF-Zuschauer zu unserem „besten“ Schlagersänger? Herbert Grönemeyer. Wer strahlt als unangepasster Sturkopf mit seinen Songs aus Deutschlands schlimmsten Jahren heraus? Hans Albers. Gut, das sind Männer. Aber müssen Mädchen bei uns nicht singen können? Mit Neffen, um einmal mehr einen großen Jubilar dieses Jahres zu zitieren. Hildegard Knef, die wohl legendärste Diseuse der Nachkriegszeit, war der Deutschen (und auch der Amis) Lieblingsnichtsängerin. Ein abendfüllender Spielfilm feiert derzeit diesen Star der 50er und 60er Jahre. Grund genug, um einmal mit den schlimmsten Vorurteilen gegenüber der Knef aufzuräumen. Und davon gibt es etliche.

Die Sünderin

Das erste ist ein antikatholisches Ressentiment. Bis heute hält sich das Gerücht, der 1950 entstandene Film „Die Sünderin“ habe aufgrund einer Nacktszene mit Hilde Knef Proteste der Kirche hervorgerufen. Tatsächlich war es aber die Tatsache, dass der Streifen in den Augen der frommen Hirten den Selbstmord verharmloste. Ob diese Kritik gerechtfertigt war oder nicht, spielt für uns heute kaum noch eine Rolle. Wichtig ist aber, dass die gewonnene Popularität der Nachkriegsschauspielerin Knef auch den Weg zu einer Karriere als Sängerin ebnete.

Nichttänzerin

Das zweite Vorurteil behauptet, die Knef habe nicht nur singen und schauspielern, sondern auch tanzen können. Entscheidenden Anteil an diesem Irrglauben hatte der Fernsehregisseur Truck Branss, der 1969 unter anderem die ZDF-Hitparade erfand. Für eine 1963 gedrehte Sendung der Reihe „Portrait in Musik“ (ein Foto daraus wird hier gezeigt) sollte die Knef auch einige Schritte tanzen. Zunächst weigerte sie sich beharrlich. Dem Drängen von Branss aber konnte sie irgendwann nicht mehr widerstehen. Leider gelang ihr wohl kaum ein Schritt. Der geniale Regisseur Branss schnitt die Szenen jedoch so zusammen, dass die Knef schließlich wirkte wie eine perfekte Tänzerin — eine Meisterleistung angesichts der technischen Möglichkeiten Ende der 60er Jahre. Branss trug mit seiner Sendung ein Gutteil zum Erfolg der Knef als Sängerin bei. Nicht zuletzt übrigens aufgrund eines kleinen Tricks des Regisseurs: Vor der Sendung forderte die Ansagerin (die Älteren unter uns werden sich daran erinnern, was das ist) die Zuschauer dazu auf, die Kontrasteinstellungen an ihren Geräten von Hand zu korrigieren. Dadurch wuchs die im Zeitalter von zwei Programmen ohnedies schon hohe Aufmerksamkeit der Zuschauer für die Sendung noch. Damals konnte eine einzige Fernsehsendung Stars machen. Heute schaffen das noch nicht einmal die Samstag für Samstag ausgestrahlten Shows, die keinen anderen Zweck als das verfolgen. Zugegeben, ein Talent wie die Knef hatten diese bislang auch noch nicht zu bieten.

Risiko: Masern bei Erwachsenen

Zum Glück übrigens spielte der Regisseur Branss an dem Gegenstand, den das dritte Vorurteil betrifft, nicht herum: An der Stimme der Sängerin. Landläufig ist man der Auffassung, an ihrer „Whiskystimme“ sei tatsächlich der Alkohol schuld. In Wirklichkeit aber, so behauptete es zumindest die Künstlerin selbst, waren es die Masern, die eine Broadwayaufführung mit der Knef zu kippen schienen. Um trotz Krankheit auftreten zu können, ließ sich die Knef mit Spritzen und Tabletten fit machen. Die Folge war ein Stimmbandriss, der nie mehr richtig heilte.

Die Menschen liebten die Knef als Sängerin gerade wegen dieses Defekts. Ella Fitzgerald soll sie als „the greatest singer without a voice“ bezeichnet haben. Tatsächlich ist unschwer zu hören, welches Gefühl die Sängerin für ihre Songs und Schlager mitbrachte. Eine Boulevardzeitung fasste das 1967 so zusammen: „Ihr Herz hat eine rauhe Stimme“. Das wohl nachhaltigste künstlerische Vermächtnis hinterließ die Knef 1968 mit ihrem Jahrhundertlied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, das noch heute regelmäßig auf vierzigsten oder fünfzigsten Geburtstagen zu hören ist. Im Jahr des Erscheinens der „roten Rosen“ wählte eine Fachjury sie vor Alexandra zur besten Sängerin des Jahres. Einen besseren Jahrgang durfte danach kaum mehr eine Jury beurteilen. Und die Legende der Knef wird wohl auf Jahre hinaus kein Spielfilm ankratzen können.

Ingo Grabowsky

Foto: Hans J. Hoffmann


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